Vergleich über 7 Crowdfunding-/Crowdinvesting-Plattformen mit tabellarischer Übersicht

Seit meinem Überblick über alternative Finanzierungen abseits des traditionellen Bankkredites im September 2011  ist einige Zeit vergangen. Seedmatch war damals die einzige Crowdfunding-Plattform. In der Zwischenzeit schossen die Crowdinvesting*-Plattformen wie Pilze aus dem Boden. Zeit sich einen Überblick zu verschaffen. Ich habe eine tabellarische Übersicht geschaffen mit sowohl für den Investor (oder Anleger) als auch dem Unternehmen wichtigsten Kriterien, wobei mein Hauptaugenmerk aber bei den Unternehmen liegt, die sich finanzieren möchten.

Denn die Crowdinvesting-Plattformen sind recht unterschiedlich, haben jeweils eine eigene Philosophie, dich sich entsprechend in den Bedingungen und Möglichkeiten niederschlägt.

Ich habe dazu einen ausführlichen Artikel auf deutsche-startups.de geschrieben. Den tabellarischen Überblick finden Sie auch hier, aktualisiert mit Bankless24 (unten). Dort finden Sie auch die Links zu dee einzelnen Plattformen.

Folgende Fragen müssen Sie sich beantworten, während oder bevor Sie sich eine Crowdinvesting-Plattform auswählen.

  1. Möchte ich völlig selbstbestimmt vorgehen oder die Kompetenz der Plattformbetreiber nutzen?

    Wie Sie gleich sehen werden, ist diese Frage von elementarerer Bedeutung als es zunächst aussieht. Es gibt Plattformen, die die Bedingungen fest vorgeben. So ist für die Investoren eine einheitliche Vertragsgestaltung gewährleistet. Auch der Fundingprozess usw. sind strikt vorgegeben.  Vertreter dieser „Spezies“ für Gründer sind Seedmatch, Companisto und Innnovestemt, für bestehende Unternehmen Bergfürst und Bankless24. Die Bedeutung dieser Frage geht aber noch darüber  hinaus.  Die genannten Plattformen prüfen vorher die Startups, ob sie gewisse Qualitätskriterien (i.W. vernutete Erfolgswahrscheinlichkeit) erfüllen. Das Gegenbeispiel sind die Deutsche Mikroinvest und Welcome Investment. Hier kann jedes Unternehmen, welches sich als für den Fundingprozess reif sieht, ein Funding starten. Gegenüber den erstgenannten Plattformen gibt es auch mehr Varianten wie sich die Investoren am Unternehmen beteiligen können (s. Frage 3).

    Die Beantwortung dieser Frage beeinflusst die folgenden Fragen. Denn wenn Sie sich für eine Plattform mit festen Vorgaben entscheiden, müssen Sie auswählen, welche Vorgaben Ihnen in Summe am besten passen. Bei den flexiblen Modellen stellt sich die Frage so nicht, denn Sie können selbst die Bedingungen festlegen.

  2. Welchen Finanzierungsbedarf haben Sie?

    Das ist insofern für die Auswahl relevant, weil alle Plattformen bestimmte Grenzen haben. OK, die Deutsche Mikroinvest und Welcome Investement nicht, doch hier müssen Sie dafür die gesetzlichen Anforderung der Prospektpflicht ab über 100.000 Euro Fundingsumme von über 20 Investoren selbst beachten. Wegen dieser Anforderung können sie über viele Plattformen  nur maximal 100.000 Euro einsammeln. Bei Seedmatch sind jetzt in der ersten Finanzierungsrunde 250.000 Euro möglich, ohne Prospektpflicht, weil sich die Investoren am Unternehmen nicht beteiligen, sondern ein sogenanntes partialisches Darlehen aufnehmen. Bei Bergfürst ist nach oben alles offen, dafür sollen die Fundings erst bei 2 Millionen Euro beginnen. Denn Bergfürst richtet sich an bestehende Unternehmen, die investieren möchten, während sich die anderen Plattformen (mit Ausnahme von Bankless24) zunächst vor allem an Gründer wenden. Doch es gibt noch einen zweiten wichtigen Unterschied zwischen Bergfürst und den anderen Plattformen. Damit sind wir bei der nächsten Frage, die für Sie zwar nicht schon an 3. Stelle zu klären ist, doch für das Verständnis der folgenden Antworten wichtig ist.

  3. Welche Beteiligungsform darf es denn sein?

    Typischerweise werden stille Beteiligungen angeboten (Innovestment, Companisto), d.h. der Investor bleibt nach außen hin anonym. Die Investoren haben ein Informationsrecht, aber keine Geschäftsführungsbefugnis oder sonstige Stimmrechte. Seedmatch ist nun mit dem partialischen Darlehen davon abgerückt, um die Prospektpflicht zu umgehen (legal). Bei den flexiblen Plattformen haben Sie selbst die Wahl und das könnten z.B. Genussscheine (Bankless24) oder nachrangige Darlehen sein (beides häufig auf Deutsche Mikroinvest zu beobachten). Allen gemeinsam ist, dass es sich buchhalterisch um Fremdkapital handelt. Um wenigstens eigenkapitalähnlich zu sein (sogenanntes Mezzanine-Kapital), ist die Verzinsung hauptsächlich gewinnabhängig und die Investoren stehen im Insolvenzfall hinter den anderen Gläubigern bei der Befriedigung Ihrer Forderungen zurück (nachrangig).

    Hier kommt nun Bergfürst ins Spiel. Bergfürst bietet nur Aktienemissionen an und somit echtes Eigenkapital, welches nicht zurück zu zahlen ist. Damit bekommen die Investoren die üblichen Rechte von Aktionären, wichtigstes ist das Stimmrecht in der Hauptversammlung. Außerdem kann der Investor die Aktien jederzeit verkaufen, wenn auch nicht an der Börse. Diese Möglichkeit steht den Unternehmen auf Welcome Investment und Deutsche Mikroinvest selbstverständlich auch offen. Voraussetzung ist natürlich immer, dass das Unternehmen eine AG ist oder sich in eine AG umwandelt.

  4. Wann können Sie das Geld zurück zahlen und in welcher Höhe?

    Die Antwort steht in Ihrem Businessplan. Theoretisch jedenfalls, praktisch wissen wir alle, dass es häufig länger dauert, bis sich der Erfolg einstellt, als gedacht. Insofern sind längere Laufzeiten zu bevorzugen. Klar, wenn es denn besser läuft, haben Sie die Investoren auch länger im Unternehmen und müssen höhere Rückzahlungen vornehmen. Also überlegen Sie sich, welche Laufzeit Sie wenigstens benötigen, um auch bei etwas schlechterer Entwicklung nicht plötzlich in Liquiditätsschwierigkeiten zu kommen, wenn die Investoren plötzlich alle ihr Geld wieder haben möchten. Diese Laufzeit können Sie bei den flexiblen Plattformen angeben, bei den anderen Plattformen müssen Sie schauen, was angeboten wird (derzeit zwischen 3 Jahren bei Innovestment und 8 Jahre bei Companisto). Daran schließt ich die Frage an, wie Rückzahlungen bei Liquditätsschwierigkeiten gestundet werden können. Die bislang vorgesehenen Möglichkeiten reichen meines Erachtens bei Kündigung durch alle Investoren gleichzeitig noch nicht aus.
    Bei Bergfürst stellt sich die Frage nicht.

Das waren zunächst die wichtigsten Fragen, die Sie für sich zunächst beantworten müssen. Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Kriterien. Hier kann ich Sie gern unterstützen. Ich beobachte den deutschen Crowdinvesting-Markt von Anfang an, kenne viele Betreiber persönlich. Individuelle Beratung ist selbstverständlich, ich kann viele Jahre Erfahrung und Wissen im Finanzierungsbereich und anderen unternehmerischen Gebieten vorweisen. Fragen Sie einfach unverbindlich an.

VERGLEICHSTABELLE / Überblick über folgende Crowdinvesting-Plattformen:

Bankless24 (jetzt CONDA) Bergfürst Companisto Deutsche Mikroinvest Innovestment Seedmatch Welcome Investment

* Ich benutze ab sofort diesen Begriff. Damit soll deutlich werden, dass es um Plattformen geht, bei denen sich die Crowd finanziell an einem Unternehmen beteiligt oder anderweitig Geld leiht, das Unternehmen wiederum auch Geld und keine Sachleistungen zurück zahlt, welches typischerweise in der Höhe gewinnabhängig ist. Synonym kann aber auch Crowdfunding und Crowdsourcing benutzt werden.

Autor: Steffen Doberstein, Datum: 22. Januar 2013