Interviewfragen zum Crowdfunding

Mich erreichen immer wieder Anfragen von angehenden Magistern oder Mastern nach Interviews über Crowdfunding für die Abschlussarbeit. Selbstverständlich gebe ich diese gern, zumal das Feedback sehr positiv ist. Demnach sind meine Antworten ungewöhnlich informativ und generell ist es schwierig, Interviewpartner zu finden, die Rücklaufquote ist doch sehr gering. Das liegt sicher am Zeiteinsatz, auch für mich ist eine halbe bis eine ganze Stunde „verlorene“ Arbeitszeit nicht ganz ohne. Deshalb, aber auch zur Information Interessierter, gibt es im Folgenden einige Antworten auf häufig gestellte Fragen, die bitte, wenn sie passend sind, unser nächstes Interview verkürzen. Basiswissen über Crowdfunding wird deshalb hier vorausgesetzt.

Hinweis: Dieser Artikel wird so nach und nach ergänzt.

Welche Motivation veranlasst die Crowd, Ihr Geld an Funder zu geben?

Welche Rolle spielt das Crowdinvesting und eventuell auch das Reward-based CF  in der Finanzierungslandschaft für Unternehmen?

Was sind die Vor- und Nachteile des Crowdinvestings und des Crowdlendings gegenüber anderen Finanzierungsarten für Unternehmen?

Gibt es bestimmte Faktoren, die ein Start-up beim Crowdinvesting beachten sollte? Was sind die Voraussetzungen?

Wie beurteile ich die Entwicklung des Crowdfundings in den letzten Jahren in Deutschland?

 

Welche Motivation veranlasst die Crowd, Ihr Geld an Funder zu geben?

Grundsätzlich gibt es 2 Aspekte, einerseits Altruismus, andererseits ein konkreter Nutzen für den Unterstützer. Überall finden wir diese Kombination, welcher Aspekt in welcher Variante im Vordergrund steht, hängt von der Art des Crowdfundings ab. Schon, wie die Crowd genannt wird, zeigt die Richtung: Anleger/Kreditgeber, Investoren, Unterstützer, Spender.

Beim Lending-based Crowdfunding (Crowdlending ) steht klar die Verzinsung im Vordergrund. In Abhängigkeit von der Risikoeinstufung der Plattform bzw. des eingeschätzten Risikos durch den Kreditgeber wird das Geld in verschiedene Projekte angelegt, in der Erwartung, trotz einzelner Ausfälle, hohe überdurchschnitliche Verzinsung des Kapitals zu erreichen (im Vergleich zu Bankangeboten).

Beim Equity-based Crowdfunding (Crowdinvesting) spielt ebenfalls die erwartete Rendite die Hauptrolle. Crowdinvesting wird als Geldanlage gesehen. Doch das allein ist es bei Weitem nicht. Auch die Unterstützung der Start-ups und Unternehmen spielt eine große Rolle. In einzelnen Fällen kann es auch eine zusätzliche Option auf das Produkt sein, welches die Motivation erhöht.

Das Produkt steht bei einem Großteil des klassischen Reward-based Crowdfundings als Hauptmotiv sich zu engagieren im Vordergrund. Das fällt vor allem bei Fundings für Technikprodukte auf, die häufiger als andere Fundings ihre Ziele mehr als übertreffen und immer wieder für Pressemeldungen gut sind. Aber auch bestimmte Bereiche, die Fans vorweisen können, wie Musik, kann das Produkt (wie die neueste CD oder eine „special edition“) im Vordergrund stehen. Eine weitere wichtige Motivation beim Reward-based Crowdfunding ist Altruistismus. Naturgemäß spielen vor allem Personen, die den Projektstarter kennen und ihn deshalb aus Sympathie heraus unterstützen möchten die Hauptrolle, die Belohnung dafür spielt eher eine Nebenrolle. Die Unterstützung wird als Spende "verbucht".

Letzteres gilt naturgemäß auch beim Donation-based Crowdfunding (Crowddonation). Mangels nennenswerter Gegenleistung  handelt es sich hierausnahmslos  um Spender.

Welche Rolle spielt das Crowdinvesting und eventuell auch das Reward-based CF  in der Finanzierungslandschaft für Unternehmen?

Leider eine von mir geringere als ursprünglich erhofft. Sämtliche Finanzierungswege haben ihre Vor- und Nachteile (siehe unten): Business Angels, Venture Capital, Bankkredit, Crowdinvesting. Meine Hoffnung, dass die Crowd hauptsächlich entscheidet, wer fundet, wurde nicht erfüllt. Letztlich wird der Markt zum weit überwiegenden Teil auch hier von der Entscheidung Einzelner beeinflusst. Der Wille zu crowdfunden setzt zunächst eine Art Bewerbung beim „Türsteher“ voraus. Damit unterscheidet sich der Anfang nicht mehr von den genannten anderen Finanzierungswegen. Der/die Gründer/in tritt als Bittsteller auf, der entweder gnädig eingelassen wird oder eben auch nicht (die Mehrheit). Die Möglichkeit sich sofort der Öffentlichkeit vorzustellen und Feedback einzuholen, gibt es kaum.

Eine Finanzierungslücke hat das Crowdinvesting damit nicht geschlossen, denn leider sind die Auswahl-Kriterien faktisch die Gleichen wie sie die anderen Finanzierungsgeber auch haben: „Bitte möglichst nicht die Seedphase und es soll in’s Portfolio passen.“ Letzteres wird aber nicht konkretisiert.

Warum ist das so? Nun am Maileingang sitzen die gleichen Leute: frische Uni-Absolventen mit den gleichen Studiengängen ohne Unternehmererfahrung, aber dafür gute Noten in Fächern wie Corporate Finance. Diese setzen wiederum ihnen vorgegebene Richtlinien um. „Schema F“ in reinster Form. Die Plattformen nennen den Schutz der Crowd vor Ausfällen als Grund. Damit bewegen sie sich aber argumentativ auf Ebene der Banken bei der Kreditvergabe, denen gegenüber sie sich gerade abgrenzen wollen. Die Ideale der Crowdbewegung werden damit torpediert, diese ist nur noch als Einzahler gut.

Damit reduziert sich das Cowdinvesting auf eine zusätzliche Möglichkeit neben den Business Angels und den Venture Capital-Gesellschaften Risikokapital einzuholen, mit dem Vorteil, dass die Investoren üblicherweise keinen Einfluss auf die Geschäftsführung nehmen können. Mit je nach Plattform zu fundenden Beträgen von einem mittleren fünfstelligen Betrag bis hin zu wenigen Millionen Euro hat sich Crowdinvesting auf jeden Fall zu einem ernstzunehmenden Finanzierungsweg gemausert.

Und Reward-based Crowdfunding? Sehe ich für Unternehmen vor allem als Marketinginstrument, im Finanzierungsbereich bestenfalls zur Vorfinanzierung der Produktion. Für die Deckung eines Finanzierungsbedarfes für eine Gründung, bei der Investitionen getätigt werden müssen und vor allem Betriebsmittel (Gehälter, Miete usw.) über viele Monate hinweg finanziert werden müssen, taugt es nicht. Viele glauben mir diese Aussage nicht, dann verweise ich auf Panono (Stichwort 360-Grad-Fotoapparat), die auf Indiegogo 1,25 Mio. US-Dollar einsammelten nur um wenige Monate später das nächste Millionenfunding auf Companisto zu eröffnen. Die 1,25 Mio. US-Dollar mit der Verpflichtung Kameras herzustellen und zu liefern hatten das Finanzierungsproblem nicht gelöst!

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Was sind die Vor- und Nachteile des Crowdinvestings und des Crowdlendings gegenüber anderen Finanzierungsarten für Unternehmen?

Crowdinvesting lässt bei den Marktführern mittlerweile sehr hohe Beträge zu wie sie auch Venture Capital-Gesellschaften aufbringen (und noch darüber) oder auch Banken. Business Angels sind mit Millionenbeträgen überfordert, es sei denn Sie finden mehrere, die alle über eine Viertelmillion in Ihr Business stecken wollen. Trotzdem ist es ebenso wie Crowdlending auch für Beträge um die 100 bis 250 TEUR geeignet.

Nachteilig ist der hohe Aufwand, Start-ups sprechen von Gesamtkosten für die Fundingkampagne von bis zu 40-50 TEUR (inklusive Arbeitszeit). Schließlich muss nicht nur getextet und gepitcht werden, es muss auch ein hoch professionelles Video gedreht werden und während des Fundings sind kurze Antwortzeiten auf Investorenfragen zu gewährleisten. Doch dem muss man entgegenhalten, dass man zusätzlich einen Marketingeffekt bekommt, den man mit dem Betrag sonst niemals erhalten hätte. Insofern vergleicht man hier Äpfel mit Birnen, denn den Effekt gibt es bei allen anderen Finanzierungswegen nicht. Die Suche nach Venture Capital und Business Angels kann ebenso aufwendig sein, müssen doch meist viele Pitches auf sich genommen werden bis man „den Richtigen/die Richtige“ findet. Dagegen sind Kredite, insbesondere über die Crowd, sehr schnell und einfach zu beantragen. Hier benötigt man zum Beispiel auch keine Unternehmensbewertung.

Nicht zu vergessen, dass die Liquiditätsbelastung durch Kreditrückzahlungen fix terminiert ist. Das hat den Vorteil, dass man mit ihnen fest kalkulieren kann, aber auch den Nachteil, dass sie auch zu leisten sind, wenn man dazu nicht in der Lage ist. Wird das zum Dauerzustand geht es in die Insolvenz. Das wird beim Crowdinvesting zwar vertraglich ausgeschlossen, aber trotzdem ist der Druck zum Vertragsende auf die Rückzahlung natürlich groß. Echtes Eigenkapital wie von den Business Angels und den Venture Capital-Gesellschaften selbst führt ebenfalls nicht in die Insolvenz, doch Erfolgsdruck ist natürlich auch hier vorhanden. Wird Eigenkapital zurück gezahlt, ist der Betrag recht hoch, eventuell gibt es (Crowdinvesting) noch laufende Zahlungen während der Laufzeit. Mit anderen Worten: Eigenkapital (VC, BA, CI) ist teuer (jedenfalls dann wenn man erfolgreich ist)!

Ein Nachteil des Crowdinvestings ist auch, dass es wohl immer noch Finanzgeber in den Folgefinanzierungsrunden abschreckt. Das, obwohl mit den derzeitigen Konstruktionen dafür wahrlich keine Grund vorliegt. Da sind wohl noch Berührungsängste abzubauen, gegenüber der Crowd, die es wagt in die exklusive Domäne der Risikokapitalgeber einzudringen.

Gibt es bestimmte Faktoren, die ein Start-up beim Crowdinvesting beachten sollte? Was sind die Voraussetzungen?

Nun, alles muss perfekt sein, sonst hat man keine Chance zu den unter 10% zu gehören, die zum Funding zugelassen werden. Das Pitchdeck muss perfekt aufgebaut sein, die Geschäftsidee sollte möglichst skalierbar und einfach zu erklären sein. Ein gewisser Marktbeweis sollte ebenfalls schon erbracht sein. Idealerweise gibt es ein Gründerteam von 2-3 Personen, die sich mit ihren Kompetenzen ergänzen und beim persönlichen Gespräch zu überzeugen wissen.

Wie beurteile ich die Entwicklung des Crowdfundings in den letzten Jahren in Deutschland?

Es hat sich aus dem Exotenstatus in ein beachtetes Nischendasein entwickelt. Zu einem alltäglichen Finanzierungs- und Marketinginstrument, welches ein Unternehmer in seine Entscheidungsfindung von Beginn an mit einbezieht (so wie einen Bankkredit) ist es jedoch noch ein gutes Stück Weg. Umgekehrt, was die Unterstützerseite angeht, gilt das Gleiche. Noch zu viele Crowdfundingprojekte scheitern. Für den Markt wäre eine höhere Teilnahme der Bevölkerung an den verschiedenen Crowdfundingarten zu wünschen. Neue und kleine Plattformen tun sich schwer, eine größere aktive Community aufzubauen. So konzentriert sich der Markt leider sehr auf wenige Marktführer, der Wettbewerb für Innovationen fehlt.